Ist Humor „systemrelevant“?

Manches lässt sich nur mit Humor ertragen, das wird in diesen Corona-Zeiten deutlich spürbar. Deshalb möchte ich jetzt ein wenig Humor mit Ihnen teilen und habe hierzu den Karikaturisten und Illustrator Peter Menne um ein Interview und eine Karikatur gebeten. Zusammen mit einigen westfälischen Autoren bietet er seit kurzem einen „Kultur per Lieferservice“ für alle, die gern ein wenig Leichtigkeit in Ihr Leben bringen möchten. Herzlichen Dank dafür!!!

Viel Freude damit und bleiben Sie gesund,

Beate Noeke

© Peter Menne, Wer war das?
Wer war das? © Peter Menne

bgm21: Herr Menne, bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor.

Peter Menne: Geboren wurde ich 1962 ohne größeres Dazutun als Westfale. Aufgewachsen in Delbrück bei Paderborn habe ich das Leben in einer Kleinstadt mit all seinen Vor- und Nachteilen kennengelernt.

bgm21: Wie sind Sie zum Zeichnen gekommen?

Peter Menne: Meine berufliche Laufbahn begann im Aktzeichensaal der FH Bielefeld, wo ich es verstand, mit Bleistift und Feder jedes Topmodel in eine Karikatur zu verwandeln. Des Studierens nicht müde zog es mich 1991 nach Berlin. An der Kunsthochschule Berlin-Weißensee lernte ich, mit dem Pinsel umzugehen.

Doch meine alte Heimat OWL ließ mich nicht los: 1993 erhielt ich ein Stipendium des Landesverbandes Lippe und der Stadt Schieder-Schwalenberg. Und so pendel ich noch heute zwischen Ost und West – zwischen Potsdam, wo ich mich mit Frau, zwei Kindern, aber ohne Hund, häuslich niedergelassen habe, und OWL.

Durch meine Publikationen habe ich mir einen Namen als Karikaturist und westfälischer Milieuzeichner gemacht. Als Illustrator arbeite ich für zahlreiche Tageszeitungen, Fachmagazine, Buchverlage und Agenturen. In meinen Wimmelbildern beschreibe ich die sozialen Strukturen westfälischer Städte und Regionen. Mit meinem unverwechselbaren Zeichenstil beschreibe ich das örtliche Vereinswesen, genauso wie ich die wichtigsten Stadtfeste und kirchliche Traditionen zitiert. Gepflegte und gelebte historische Bräuche werden beschrieben, daneben wird auf touristische Attraktionen hingewiesen.

bgm21: Seit wann und warum bieten Sie den Service „Kultur per Lieferservice“ an?

Peter Menne: Zusammen mit einer größeren Anzahl westfälischer Autoren arbeite ich seit 3 Wochen an dem Projekt KulturPerLieferservice. Wir bringen zuverlässig nach Hause, was derzeit in der freien Wildbahn ähnlich schwer zu bekommen ist wie Klopapier: Virenfreie Unterhaltung. Für viele Menschen, die es gewohnt sind, in ihrer Freizeit Museen, Lesungen, Konzerte, Kinos, Kneipen und nicht zuletzt Fußballplätze aufzusuchen, ist ein „Coronawochenende“ schon mehr als befremdlich. Aber oft wird man gerade in Krisenzeiten besonders kreativ.

bgm21: Wie können Interessenten diesen Lieferservice bestellen?

Peter Menne: Per E-mail (peter@menne-illustration.de), Instagram und Facebook verschaffen wir uns einen alternativen Zugang in die privaten Räume der Kulturhungrigen. Zweimal wöchentlich bekommen sie so kostenlos Karikaturen und passende Texte (Satire, Kurzgedichte, Aphorismen, Kommentare, …) dazu. Das Projekt ist für uns ein Beitrag, in der aktuellen Situation kulturelles Leben in Deutschland nicht gänzlich einfrieren zu müssen. Anmeldungen unter mail an: peter@menne-illustration.de.

bgm21: Kann man mit Humor Krisen besser bewältigen?

Peter Menne: Sicherlich kann man Krisen nicht allein mit Humor bewältigen. Humor kann aber hilfreich sein, besser mit ihnen umzugehen.

bgm21: Leiden Sie selbst unter der Corona-Krise und wie gehen Sie selbst damit um? Hilft Ihnen die Kunst, bei den Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren gut durch den Tag zu kommen?

Peter Menne: Was ich vermisse ist das örtliche Schwimmbad, Spazieren gehen mit Nachbarn, Doppelkopf mit guten Freunden, und spätestens nach meiner selbst auferlegten Fastenzeit einen guten Wein beim Italiener. Als Illustrator habe ich ansonsten gut zu tun. Das aktuelle Projekt „KulturPerLieferservice“ hält mich zusätzlich auf Trab und lässt Corona vergessen.

bgm21: Gibt es in Südwestfalen einen ganz speziellen Humor? Wie gehen Sie selbst mit dem südwestfälischen Humor um (privat und in Ihrer Kunst)?

Peter Menne: Südwestfalen kenne ich nicht. Es gibt nur Ostwestfalen, und der Humor dort ist schon recht speziell. Lesen sie unsere Kulturbeiträge und Sie erfahren mehr.

bgm21: Was raten Sie allen, die jetzt im Homeoffice fest sitzen?

Peter Menne: Genießen Sie die kurzen Wege zum Arbeitsplatz und zur Küche. Freuen sie sich auf den nächsten Anruf, und besprechen Sie nach Möglichkeit nicht nur berufliche Fragen. Homeoffice kann auch ganz schön sein, ich mache das schon mein Leben lang.

bgm21: Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was wünschen Sie sich für die aktuelle Pandemie-Situation?

Peter Menne:

1. weitergehend die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit Sport zu treiben

2. Rücksichtnahme von allen Seiten

3. ein schnelles Ende der Pandemie

bgm21: Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Pandemie-Situation?

Peter Menne:

1. kulturelles Leben sollte bei uns schnell wieder hochgefahren werden

2. die Urlaubsbomber der Fluggesellschaften sollten für immer am Boden bleiben

3. Die Entschleunigung hatte schon etwas für sich. Wenn davon etwas bleiben würde, wäre das toll.

bgm21: Wie können Interessierte mit Ihnen Kontakt aufnehmen?

peter@menne-illustration.de