Inspirierende Räume mit Tiefenwirkung

In den Homeoffice-Zeiten von Corona haben die eigenen vier Wände als Möglichkeitsräume für die Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Betriebes weltweit eine ganz neue Bedeutung erlangt. Daher lohnt sich ein genauer Blick auf das, was uns umgibt – Raum. Er ist immer da, zuhause genauso wie am Arbeitsplatz und im öffentlichen Leben.

Der Raum bzw. Räumlichkeiten sind auch immens wichtig für die Produktivität, das Wohlbefinden, die Kreativität und Inspiration. Grund genug, sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema „Raum“ zu beschäftigen.

Daher spannt dieser Artikel einen Bogen von der Arbeitswelt hinein in die Kunstwelt und spürt dabei den Wechselwirkungen im Raum nach. Wie verändert sich der Raum durch die Gestaltung und welches Raumgefühl entsteht? Welche Materialien werden dazu benutzt? Welche Farben werden kombiniert? In welchen Proportionen und wie werden die Objekte im Raum platziert? Wird mit künstlichem Licht etwas hervorgehoben oder wird mit einfallendem natürlichem Licht gearbeitet? All diese Aspekte prägen das Raumgefühl und inspirieren.

Der Raum übte auf den im letzten Jahr verstorbenen Künstler Erich Reusch Zeit seines Lebens eine große Faszination aus. In seinen Skulpturen, der Malerei, in Zeichnungen, Environments und Klanginstallationen untersucht und gestaltet er den Raum immer wieder aufs Neue. Dies wird in seiner aktuell gezeigten Ausstellung „grenzenlos“ im Museum unter Tage / Situation Kunst (für Max Imdahl) in Bochum offensichtlich.

© Situation Kunst, Blick in die Ausstellung, Erich Reusch „grenzenlos“

Exemplarisch für seine Arbeiten mit dem Thema „Raum“ stellt dieser Artikel den letzten Ausstellungsraum vor, der zugleich die Farbenfreude im Spätwerk von Erich Reusch zeigt. Mit diesem Raum lädt der Künstler uns ein, Teil des Kunstwerks zu werden und sich inspirieren zu lassen.

Insgesamt sind 55 Werke des Künstlers zu entdecken. Die Bilder, Fotobilder, Objekte, Skulpturen und Zeichnungen aus den Jahren von 1951 bis 2019 zeigen die große Gestaltungs- und Innovationskraft des Architekten und Bildhauers Erich Reusch.

Der letzte Raum in dieser Ausstellung ist ein Kunstwerk an sich. Der komplette Raum ist das Kunstwerk und mitten drin ist der Besucher, der es durch seine individuellen Bewegungen im Raum auf einzigartige Weise erlebt.

Grenzenlos sind die Erfahrungen, Gedanken und Inspirationen, die sich beim Durchschreiten des Raumes genauso einstellen, wie beim Erkunden der scheinbar schwerelosen, frei geformten, farbig bemalten Plexiglasobjekte an den Wänden. Deren heitere Farbigkeit verleiht dem Raum in seiner starren Architektur eine Leichtigkeit und Verspieltheit, eine Sinnlichkeit und Wärme.

Dieses Spiel mit den Farben und Formen wiederholt sich auch bei den farbigen, ca. 1,40m hohen drei-dimensionalen Objekten im Raum. Auch deren Beziehung untereinander und zu den flächigen Wandobjekten gilt es zu entdecken.  

© Erich Reusch, Ohne Titel, 1965/Variante 2019

Alles scheint miteinander zu korrespondieren: Die Wandobjekte untereinander sowie mit den frei im Raum aufgestellten Objekten. Es ist eine Spannung im Raum, eine produktive Unruhe, die beim Erkunden des Raumes anregt, aktiviert.

Diese bewusste Wahrnehmung des Raumes mitsamt der eigenen Bewegung darin inspiriert zu neuen Ideen und bleibt in Erinnerung. Gerade diese reale Begegnung mit den Skulpturen im Raum ist einprägsamer als digitale und virtuelle Erlebnisse. Denn das direkte sinnliche Erleben ist emotional und erfordert eine „Konzentration“, ein sich Einlassen auf diesen Raum.

Die abstrakten Formen und Skulpturen können aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen werden und in einer vom Besucher gewählten Dramaturgie in Beziehung gesetzt werden. Die Beziehung untereinander, im Raum und zum Betrachter kann abstrahiert auf die eigene Erfahrungswelt übertragen werden.

Lassen Sie sich beim Besuch dieser Ausstellung inspirieren.

Erich Reusch: grenzenlos. Werke 1951-2019

Bilder • Fotobilder • Objekte • Skulpturen • Zeichnungen

6. Mai bis 30. September 2020

Museum unter Tage / Situation Kunst (für Max Imdahl)

Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum